Etikettenschwindel: Franzbrötchen in Wahrheit gar kein Brötchen, sondern Plundergebäck


Entspricht nicht der EU-Brötchenverordnung:"Franzbrötchen".

Entspricht nicht der EU-Brötchenverordnung:“Franzbrötchen“.

Hamburg. Hunderttausende Hamburger Leckermäuler sind jahrelang einem dreisten Schwindel aufgesessen: Die als soganannte „Franzbrötchen“ verkauften Teigwaren sind überhaupt keine Brötchen. Das hat jetzt der investigative Rechercheverbund von NDR, WDR, Süddeutscher Zeitung und Hamburger Stimme aufgedeckt.

„Brötchen sind eher rund, eher dickbauchig, eher unsüß im Geschmack“, erklärt der Journalist Hans Leyendecker. „Wie wir nun durch monatelange Intensivtests und praxisnahe Recherchen im Bäckereigewerbe herausgefunden haben, ist das Franzbrötchen hingegen platt und sehr süß. Außerdem schmeckt es – ja, das ist tatsächlich wahr -, es schmeckt deutlich nach Zimt! Damit steht fest: Es ist kein Brötchen!“

Jeder Bäcker und Konditor, der das Plunderteil als Franzbrötchen verkaufe, betreibe daher „dreisten Etikettenschwindel“, so der renommierte Journalist. „Da muss die Politik einschreiten.“ Die Verbraucherzentrale Hamburg hat bereits angekündigt, die betreffenden Bäcker abzumahnen. „Mit der Werbung als ‚Franzrötchen‘ verstoßen die Bäcker eindeutig gegen die EU-Brötchenverordnung. Die können sich auf eine heftige juristische Abreibung gefasst machen!“, teilte die Verbraucherzentrale mit.

Wer ehrlich für das Plunderteil werben wolle, könne es fortan als „Franzplunder“ bezeichnen. Davon rät allerdings der Investigativreporter der Hamburger Stimme, Franz B., ab. „Ich habe das recherchiert: Kaum einer der Bäcker, die das Plunderteil herstellen oder verkaufen, heißen Franz. Das geht so natürlich nicht.“ Er rät den Bäckern, die nicht Franz heißen, das „Franzbrötchen“ künftig umzubenennen in „Ziemlich klebriges Plunderteil mit Zimt und Zucker“. Dieser Name lasse sich zudem ganz einfach erweitern um Zusätze wie „mit Marzipan“ oder „mit Schokolade“.

Die Hamburger äußerten sich geschockt über den Skandal. „Da dachte man jahrelang, man isst zum Frühstück ein nahrhaftes Brötchen vom netten Franz – und dann ist es gar kein Brötchen! Und mit dem netten Franz hat es auch nichts zu tun!“, klagt ein Passant in der Mönckebergstraße, Herschl Ecker-Maul (38), mit zittriger Stimme. „Ich habe mich zwar immer etwas über den Zimtgeschmack gewundert, mir aber nichts weiter dabei gedacht. Verdammt, in dieser Welt kann man nicht einmal mehr dem Bäcker trauen!“ Auf „Franzbrötchen“ werde er in Zukunft verzichten und zum Frühstück nur noch Hamburger essen. „Da kann ich mir wenigstens sicher sein, dass das ein ehrliches Produkt ist – aus der Region für die Region!“

Donnerstag, 6. Mai 2015.

(Bild: Wmeinhart / CC BY-SA 3.0)